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Rezensionen 2022 bis 2026

Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser? 

Von Lisa Kulbe, Tatjana Nobis, Nina Özdemir, Ronja Prümm und Minh-Anh Tran (2026)

„Ich bin ein Krieger. Aber der Feind sitzt in mir. Und diesen Krieg kann ich nicht mit Gewalt gewinnen.“ – Das sind die Worte von Elias, der Hauptfigur des dystopischen Jugendromans Matria von Tobias Elsäßer, der die Leser*innen mit einer bemerkenswerten Frage konfrontiert: Ist eine Welt, in der Frauen aus Selbstschutz ein System erschaffen, das die Freiheit der Jungen bzw. Männer stark einschränkt, zwangsläufig eine bessere? weiterlesen

Eine Reise zur Demokratie – Alexander auf der Suche nach gerechten Gesetzen 

von Nicole Elsesser, Annika Geckeis, Emily Jehmlich, Sabine Kranz, Johanna Moll und Jule Stadie (2026) 

Ferdinand von Schirach ist nicht nur ein prominenter Strafverteidiger, sondern auch bzw. v.a. einer der bekanntesten deutschen Schriftsteller, der mit seinen Kurzgeschichten und Romanen, die von echten Kriminalfällen und persönlichen Erfahrungen inspiriert sind, ein großes Lese-, Theater- und Fernsehpublikum anzieht. Mit Alexander legt er nun sein erstes Kinder- und Jugendbuch vor.
Darin erzählt er die Geschichte der fiktiven antiken Stadt Kaliste, die nach einem Krieg zu gerechten Gesetzen finden muss. weiterlesen

„Lesensretter“ oder Wer lesen kann, ist meistens klar im Vorteil!

von Johanna Brück, Lilly Hemfort, Johannes Hohnholz, Greta Kießlich, Alina Konrads und Noah Meeder (2026)

Der 2023 verstorbene Kinderbuchautor, Lyriker und Journalist Andreas Greve war für seinen humorvollen und lebensnahen Erzählstik bekannt. In (posthumer) Zusammenarbeit mit der Illustratorin Lena Winkel, die für ihre reflexive Illustrationskunst bereits mehrfach ausgezeichnet wurde, entsteht in Lass das Lesen, Leo! eine kreativ-komische Geschichte über Freundschaft und Lesenlernen.Der Ausgangspunkt dieser Geschichte ist ein namenloser, erwachsener Ich-Erzähler, der mit freudigem Stolz von seinem neuen Hund Leo berichtet. weiterlesen

Ein hustender Junge in Rom und ein Bildhauer, der in eine Elefantin verliebt ist…

Von Thomas Fischer (2026)

Der amerikanische Schriftsteller Brian Selznick, Jahrgang 1966, wurde bei uns mit dem (von Martin Scorsese verfilmten) Roman Die Entdeckung des Hugo Cabret (2008) bekannt. In seinem ehrgeizigen neuen Buch Run away with me verknüpft er gleich mehrere Genres: Ist es ein Coming-out-Roman, ein Rom-Reiseführer, eine barocke Künstlerlegende, ein bibliophiler Krimi – oder alles gleichzeitig? weiterlesen

„Ich war einer, der sich mit Barbiepuppen, Flüssen, Spiegelbildern und Mülltonnen unterhielt.“

Von Thomas Fischer (2026)

Stuxx heißt eigentlich Stefan Uwe Max Dönnerschlach, ist knapp vierzehn Jahre alt und wohnt seit Kurzem in Köln. (Der Name der Stadt wird nie genannt, aber das Frontispiz ist eindeutig.) Sein zu Verballhornungen geradezu auffordernder Name und sein vermeintlich hässlicher „Schraubenschlüsselkopf“ sind nicht seine einzigen Probleme: Der Vater ist Straßenkehrer, die Mutter vor vier Jahren abgehauen, und er muss sich das Kinderzimmer mit seiner nervigen vierjährigen Schwester Lila und ihrer sprechenden Puppe Arielle teilen. weiterlesen

Der Streit der linken Hand mit ihrem Körper oder Eine Auseinandersetzung mit der Sicherheit des Gewohnten und dem Reiz des Neuen

von Markus Bauersfeld, Ece Cicek, Lily Giesen und Nicolas Montes (2026)

Navid Kermani wurde für sein literarisches Werk, das unter anderem aus Kunst- und Kulturbetrachtungen, Kriegsreportagen und Reiseberichten besteht, vielfach ausgezeichnet, beispielsweise mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels.  Sein zweites Kinderbuch (nach Ayda, Bär und Hase von 2017) erzählt nun von einem Schriftsteller, der afrikanische Länder bereisen möchte, dabei jedoch auf ein überraschendes Hindernis trifft: Seine linke Hand! weiterlesen

Freundschaft, Mut und der Kampf gegen Mobber

Von Isabell Hamann (2026)

Wir zwei gegen die Pissratten ist der deutsche Titel des schon 2023 in Schweden veröffentlichten Kinder- und Abenteuerromans von Oskar Kroon, für den der Autor den Augustuspreis erhielt, einen der renommiertesten Kinder- und Jugendbuchpreise in Schweden. Vitsippor och pissråttor erzählt die Geschichte der beiden Brüder Krister und Kaj, die mit ihrem Vater zusammenleben, ihre Mutter ist verstorben. In ihrer Freizeit treffen sie sich mit Kajs Freundin Naima auf dem Schrottplatz und versuchen, einen Roboter zu bauen, wie den Druiden C-3PO aus Star Wars. Als Kaj mitbekommt, wie sein von ihm bewunderter großer Bruder von anderen Jungs in der Schule, den brutalen „Pissratten“, gemobbt und erniedrigt wird, versucht er alles, um seinen Bruder zu beschützen. weiterlesen

Zwischen Reset und Regret: Das Leben im Jugendarrest

Von Emily Graumüller, Paula Schmidt, Alicia Streichert und Emelie Willems (2026)

Der erzählende Sachcomic Im Jugendarrest thematisiert das Leben von Jugendlichen, die in der Jugendarrestanstalt Berlin-Brandenburg inhaftiert sind. Ein Jahr lang widmete sich Patricia Thoma der Beobachtung und den Geschichten der Insass*innen, um ihren Alltag hinter Gittern möglichst authentisch darstellen zu können. weiterlesen

Eine Suche mit Biss! – Heinz Strunks 2. Bilderbuch über die Quest eines altersschwachen Vampirs

Von Melina Bahr, Cara Blechschmied und Marla Sander (2026)  

Bekannt ist Heinz Strunk vor allem für seine an ein erwachsenes bzw. adoleszentes Publikum adressierten Romane Fleisch ist mein Gemüse (2004), Der Gelbe Elefant (2024) oder Der Goldene Handschuh (2016). Diese Werke sind geprägt von schwarzem Humor und dem Spiel mit Körperbildern sowie der Thematisierung von Außenseitertum und Pessimismus. Diese Merkmale finden sich auch in diesem All-Age-Bilderbuch wieder, dem zweiten Bilderbuch aus der Feder Heinz Strunks nach Die Käsis. weiterlesen

Wir sind stark, wir sind mutig, wir sind schön! –  Ein Bilderbuch über Empowerment

Von Darius Beer, Alicja Bergsch, Fiona Färbinger und Annika Schäfer (2026)

Im Jahr 2021 wurde Amanda Gorman als jüngste Inaugurationsdichterin mit der Lesung ihres Gedichts „The Hill We Climb” weltberühmt. In ihrem dritten Kinderbuch Girls on the Rise nimmt die Lyrikerin und Aktivistin junge Lese*rinnen mit auf eine feministisch-emanzipatorische Reise, auf der sie in kurzen, aber eindringlichen Versen ein weibliches „Wir“ konstituiert. Auf dieser engagierten Reise erzählt sie von mutigen, lauten und erfolgreichen Mädchen, die sich ihrer individuellen Stärke bewusstwerden und sich zudem miteinander solidarisieren. Und wovon der Text erzählt, wird auch visuell erfahrbar. weiterlesen

Wenn es blitzt und donnert, sind zwei kleine Feen nicht weit…

Von Melina Huth, Annabella Jung, Hatice Kafadar (2026)

Das Bilderbuch Donnerfee und Blitzfee der südkoreanischen Autorin Han Kang wurde im Jahr 2025 erstmals auf Deutsch veröffentlicht. Bereits ein Jahr vorher erhielt sie den Nobelpreis für Literatur und wurde durch ihren Roman The Vegetarian weltberühmt. Donnerfee und Blitzfee ist Kangs erstes Kinderbuch; es erzählt die abenteuerliche, mythologisierende Geschichte zweier kleiner Feen, die entdecken, dass sie Blitz und Donner entstehen lassen können. weiterlesen

Eine ziemlich aufregende Reise ins Land der Langeweile! 

von Eranda Mustafi und Nele Frank (2026)

Nils Mohls erster Kinderroman Die Insel der Schlasocks verbindet Fantasie, Humor und gesellschaftliche Relevanz miteinander. Allerdings gelingt es nicht immer, die Spannung im Verlauf der Geschichte aufrecht zu erhalten. Kinder, die aus purer Langeweile und Einsamkeit zu Monstern werden und isoliert auf einer Insel leben – eine gruselige Vorstellung, die in Zeiten von Social Media und zunehmender sozialer Vereinsamung aktueller kaum sein könnte! Im Mittelpunkt des Romans steht Jasper, den es in die fantastische Abenteuerwelt der Schlasocks verschlägt, die an Maurice Sendaks berühmte ‚wilde Kerle‘ erinnern und denen er mit Kreativität, Neugier und Lebensfreude begegnet. weiterlesen

Halb Mops, halb Fisch: Der Mopsfisch läuft ins Missgeschick – eine Ballade für Kinder voller Sprachwitz 

von Helena Brandenburg, Anne Brems, Elena Plum, Elisabeth Schmitz, Hannah Ufer (2025)

„Mopsfisch“, das erste Kinderbuch des Büchnerpreisträgers Clemens J. Setz, entstand in Zusammenarbeit mit der Illustratorin Stefanie Jeschke. Gemeinsam erzählen sie eine poetische Geschichte voller Sprach- und Bildwitz über Identität und Zugehörigkeit. Das farbenfrohe Bilderbuch erzählt in Versform von einem Mischwesen: oben Mops, unten Fisch. Text und Bild greifen, wie die beiden Hälften dieses Fabelwesens, ineinander und erschließen sich erst im Zusammenspiel. Auf der ersten Doppelseite heißt es etwa: „Mopsfisch lila. / Mopsfisch rot. / Mopsfisch Luftballonpilot!“ Dort ist auch der Mopsfisch zu sehen, wie er mit einem lilafarbenen und einem roten Luftballon durch die Luft schwebt. weiterlesen

‚Die Vergangenheit klopft an‘ oder Ein Puzzle aus Verdrängung, Trauma und neuer Hoffnung

von Julia Engels, Malin Fitzlaff, Luca Thomé (2025)

Susan Kreller, bekannt für ihre bildhaften und komplexen, vielfach ausgezeichneten Romane, entwirft in „Das Herz von Kamp Cornell“ ein Netz aus Andeutungen, Symbolen und psychologischen Themen. So entsteht ein stellenweise düsterer, mit unheimlichen Elementen angereicherter Jugendthriller, der mitreißt und schockiert, aber auch durch skurrile Komik überzeugt, in dessen Verlauf man jedoch mitunter die Orientierung verlieren kann. Mit einem rätselhaften Brief, der nur die Worte „zu spät“ enthält, beginnt Susan Krellers spannender, Jugendroman „Das Herz von Kamp-Cornell“. weiterlesen

Wo Gänse fliegen und Tiere sprechen − Ein federleichtes Märchen voller Philosophie 

von Louisa Bastian, Hannah Hegner, Zoe Hoffmann, Sophie Langenbach, Paula Padberg, Sina Schilling, Hannah Schwarz und Jule Werner (2025)

Mit „Die weisen Tiere“ wird ein im Nachlass entdecktes Manuskript von Hannah Arendt fast fünfzig Jahre nach ihrem Tod erstmals publiziert. Das Kunstmärchen, das emotionale Wärme, poetische Bilder und intellektuelle Tiefe in sich vereint, erinnert an Klassiker wie „Der kleine Prinz“ (1943) von Antoine de Saint-Exupéry oder „Nils Holgersson“ (1906) von Selma Lagerlöf.  weiterlesen

„Manche Namen verleihen einem breite Schultern“ – Ein Buch über Freundschaft und Mut

von Jessica Haas, Nils von Hallen, Celia Thiel, Florentine Truskowski (2025)

In der Erzählung „Morris: Der Junge, der den Hund sucht“ von Bart Moeyaert stehen zentrale Themen wie Freundschaft, Anerkennung, Trauer und Mut im Mittelpunkt. Die Geschichte erzählt von Morris, einem Jungen, der sich nicht nur immer wieder auf die Suche nach dem gerne in die Berge ‚entfliehenden‘ Hund Houdini macht, sondern zugleich auf eine emotionale Reise geht – hin zu sich selbst, zu Vertrauen und neuer Hoffnung. Besonders bedeutungsvoll ist dabei die sich bedächtig entwickelnde Freundschaft zwischen Morris und Max, dem Jungen, der anfangs bedrohlich wirkt und viel Mut von Morris fordert. weiterlesen

„Wie schwer kann Leichtigkeit sein?“ – Ein Adoleszenzroman über Identität, Verlust und Zweifel 

Von Nasim Abbasi, Bele Hamm, Maren Hintzen, Amelie Hohenthal und Hanna Küppers (2025)

In Nils Mohls Roman „Engel der letzten Nacht“ stehen zentrale Themen des Lebens wie Identitätssuche, Zukunftsängste, Suizid/Tod, Liebe und Trauer im Mittelpunkt. Der Roman begleitet den 17-Jährigen Kester, der gerade sein Abitur als Jahrgangsbester bestanden hat und nun seinen Platz im Leben finden muss. Der Übergang von Jugend und Schulzeit hin zum Erwachsenenleben mit der damit verbundenen Sinnsuche stürzt Kester in eine Identitätskrise, aus der er nur einen (scheinbaren) Ausweg sieht: Eine letzte Nacht, die alles verändern soll! weiterlesen

„Können wir nicht wieder etwas Normales machen?“

Von Thomas Fischer (2025)

Wer den Umschlag von Tijan Silas Roman „Radio Sarajevo“ mit seinem lustigen Bild samt Blümchentapete und Kofferradio erblickt, fühlt sich vielleicht zunächst an Heinz Strunks „Fleisch ist mein Gemüse“ erinnert. Doch wer hier einen witzigen Unterhaltungsroman erwartet, sieht sich getäuscht… weiterlesen

Ein Jahr, das nach Sommer, Familie und jeder Menge Chaos schmeckt!

von Lara Croé; Anouk Kolberg; Carlotta Merschmann; Daniela Merten; Hannah Reick (2025)

„Was war denn der Witz am Großwerden, wenn dadurch nur alles, was groß und schön war, klein und blöd wurde?”, fragt sich die achtjährige Ida in dem Kinderroman „Himbeereis am Fluss” der renommierten norwegischen Kinder- und Jugendbuchautorin Maria Parr. Sie erzählt eine Geschichte, die nicht nur zum Lachen und Nachdenken anregt, sondern zeigt, dass das Chaos des Lebens oft die schönsten Momente bereithält. Idas obige Frage spiegelt dabei einen zentralen Aspekt des Romans wider, nämlich das Großwerden und die Veränderungen, die damit einhergehen. weiterlesen

17 fantasievolle Geschichten mit quatschig-tiefgründigen Botschaften

von Glasenapp, Kim; Ivanova, Liza; Kuschmierz, Fenja; Laxy, Karla; Maar, Isabella; Moos, Nele (2025)

Mit “Hey, hey, hey, Taxi 2” führt uns das Autorenteam, bestehend aus dem vielfach ausgezeichnetem Saša Stanišić und seinem Sohn Nikolai sowie der Illustratorin Katja Spitzer in eine zauberhafte Welt, in der die Grenzen zwischen Fantasie und Realität verschwimmen und das Abenteuer hinter jeder Straßenecke lauert. Aufbauend auf dem Erfolg des ersten Bandes , präsentiert diese Fortsetzung eine faszinierende Sammlung an Geschichten, die sowohl junge Leser*innen als auch erwachsene Vorleser*innen in ihren Bann zieht.  weiterlesen

Der Junge, der die Welt in Ordnung bringt!

von Rania Amezian, Noemi Fehr, Luna Röcken und Pia Sindermann (2025)

„[W]enn nichts geschiit muss man was geschehen lasen sonst geschiit nichts“. So lautet der 33. Punkt aus Frankies Notizbuch. Darin hält er alle seine Gedanken sowie für ihn wichtige Aussagen von Menschen, denen er begegnet, fest – in seiner ganz besonderen Orthografie. Der zehnjährige Protagonist aus dem Kinderbuch „Frankie und wie er die Welt sieht“ von Zoran Drvenkar ist ein besonderes Kind. (Dies kann man bereits in dem Vorgängerwerk „Frankie unsichtbar” feststellen.) Frankie fühlt sich nämlich nicht nur für seinen Hamster, der den bemerkenswerten Namen Hoheit Pedro Sanchez der Dritte trägt, verantwortlich, sondern darüber hinaus für die Ordnung der gesamten Welt. weiterlesen

Krisenbewältigung auf Knopfdruck

von Thilo Schmidt (2025)

In Zoë Jennys Roman „Nachts werden alle Wünsche wahr“ verkündet ein magisches Buch: „Opfer sein ist gar nicht schwer, sich zu wehren umso mehr!“ Trotzdem gelingt stets die Überwindung nahezu aller Ängste, denen die Figuren begegnen, und das Buch scheint nicht Recht zu behalten. Doch ist das der Stoff für eine starke Erzählung?  ´Im neuesten Werk der mehrfach preisgekrönten Autorin des „Blütenstaubzimmers“ geht es um die zwölfjährige Lea. Sie verbringt ihre Schul- und Freizeit meist zusammen mit ihren vier Freund*innen Lukas, Jenny, Jessica und Simon, die sich zusammen die „Riverside Kids“ nennen, und erlebt mit diesen verschiedene Abenteuer. weiterlesen

Was bleibt, wenn etwas verschwindet?  Eine emotionale Reise durch Verluste und Neuanfänge

von Abry Khira, Birbaum Helena, Ophey Marie-Sophie, Schega Franziska, Schnelle Mailin (2025)

„Ich denke an alles, was verschwunden ist. Und überlege: Vielleicht findet man ja auch etwas Neues.“ Dieser Satz „Dinge, die verschwinden“ von Kim Fupz Aakeson und Stian Hole fasst in wenigen Worten das zentrale Thema des Bilderbuchs zusammen. Der kleine Axel stellt sich in seiner einfachen Art genau die Fragen, die sowohl Kinder als auch Erwachsene bewegen. Was bleibt uns, wenn wir Dinge verlieren – oder sogar Menschen? Kann aus dem Schmerz über das Vergängliche etwas anderes, vielleicht sogar Gutes entstehen?  weiterlesen

Heilt die Zeit alle Wunden? Eine eindrucksvolle und bewegende Geschichte

von Anna Hambach, Ben Inglis, Antonia Miguel, Juliana Scheler, Jana Schommen (2025)

„Für Anna – und alle, die nicht mehr zurückkamen.“ Dieser Satz aus der Graphic Novel „Anna. Was die Zeit nicht heilt“ von Christina Laube und Mehrdad Zaeri ist eine Widmung an die Menschen, die durch den Krieg ihr Leben verloren haben, jedoch in den Erinnerungen und Gefühlen ihrer Hinterbliebenen weiterleben. weiterlesen

„An diesen Dreckspickeln konnte ich eh nichts ändern.“

Von Thomas Fischer (2025)

Christoph Kramers „Das Leben fing im Sommer an“ ist der gefühlt tausendste Coming-of-Age-Roman der Saison – da muss er schon mit irgendeinem Alleinstellungsmerkmal aufwarten. Ist es die autobiographische Allüre? Fußballspieler, die Bücher veröffentlichen, sind nicht gerade eine Seltenheit. Doch meistens handelt es sich um selbstbeweihräuchernde Autobiographien, die von ghostwritenden Bildzeitungs-Redakteuren verfasst wurden. Als ein Starkicker der Achtzigerjahre einst bei der Vorstellung seines Buches nach dessen Inhalt gefragt wurde, soll er mit entwaffnender Offenheit erwidert haben: „Keine Ahnung, ich hab‘s nicht gelesen.“. weiterlesen

Ein südafrikanisches Waisenkind als Weltenschöpfer

Von Thomas Fischer (2025)

Kann man J.R.R. Tolkiens Leben und Werk in einem Bilderbuch darstellen? Die Reihe „Little People, Big Dreams“ versucht es nicht ohne Erfolg.
„Kleine Leute, große Träume“ – in dieser (auch in der deutschen Fassung natürlich mal wieder englisch benannten) Bilderbuchreihe sind bereits Dutzende Bände erschienen, die für Kinder im Grundschulalter berühmte Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Geschichte vorstellen. Dass bei dieser Adressierung extrem summarisch vorgegangen werden muss, ist ganz natürlich. weiterlesen

Das Einzelkind als emotional-sozialer Problemfall?

Von Andre Kagelmann und Helena Trapp (2024)

Es gibt einen Zeitpunkt im Leben eines Menschen, an dem ihm bewusstwird, dass die Welt nicht ‚an sich‘ besteht, sondern von Menschen gemacht wird, die Macht haben. In diesem Sinn reflexiv positioniert sich das Debütbilderbuch der vormals nur als Illustratorin in Erscheinung getretenen Corinna Pourian anfangs. Dann aber wechselt die Perspektive en passant zu einer traditionellen Vorstellung von Familienleben in Bezug auf den 'Mehrwert der Geschwisterschar'. weiterlesen

Ein weiterer Schwimmbadroman, diesmal mit jüdischem Hintergrund

Von Thomas Fischer (2024)

Sommer 1999 in Hamburg. Der Kunststudent Donatus Frey, genannt Donnie, aus einer angesehenen Galeristenfamilie treibt sich mit seinen beiden Kumpels im Freibad herum. Dass er gar nicht schwimmen kann, ist weniger schlimm als die Tatsache, dass Alwin und Marlon rechtsradikale Ansichten haben und auch den schüchternen, sozial isolierten jungen Künstler in diese Szene hineinziehen: Nachdem er und seine falschen Freunde Hakenkreuze in ein Auto geritzt haben, muss Donnie Sozialstunden in einem Altersheim ableisten. weiterlesen

„Ich war doch kein Faschist, bloß ein europäischer Patriot!

Von Thomas Fischer (2024)

Davide Coppos Jugendroman „Der Morgen gehört uns“ schildert das Abgleiten eines gutbürgerlichen Mailänder Jugendlichen ins neofaschistische Milieu. Wird er sich daraus wieder befreien können?

Wer die letzten Wahlergebnisse für die AfD vor allem in Thüringen betrachtet, fällt unweigerlich dem Reflex anheim, zu stöhnen: Was sind das bloß für Leute, die Höcke wählen? Ein neuer Jugendroman aus Italien ist geeignet, dieser Ratlosigkeit abzuhelfen. Davide Coppo, bislang in seiner Heimat als Journalist bekannt, hat damit sein erzählerisches Debut vorgelegt. Er legt allerdings Wert auf die Feststellung, „dass dieser Roman zum Glück keine Autobiografie ist.“ Der Titel „Der Morgen gehört uns“ spielt auf eine berüchtigte faschistische Hymne an. weiterlesen

Der Traum vom Weltraum und einer barrierefreien Welt

Von Maren Conrad (2024)

Ela und ihr bester Freund Ben lieben den Weltraum, sie sind fasziniert von Planeten, Sternen und Schwarzen Löchern. Nach einem Besuch im Planetarium steht für Ela fest: Sie will Astronautin werden und gemeinsam mit Ben ersinnt sie einen Plan. Die nun folgende Geschichte rund um diesen „Ela-erobert-das-All-basta-8-Punkte-Plan“ erzählt von nervigen Nachbar*innen, zögerlichen und mutigen Eltern, barrierefreien Baumhäusern und Raketenrollstuhlrampen. Sie verbindet den Traum von der Raumfahrt mit dem Traum von einer barrierefreien Welt. Die perfekte Kombination? weiterlesen

Raum für Veränderungen oder Herausforderungen des Erwachsenwerdens und Ankommens

Von Mara Hauck, Noemi Horstmann, Nils Werner (2024)

Kaija ist gerade mit ihrer Familie in eine neue Stadt gezogen und musste ihr gewohntes Umfeld mit ihrer Freundesgruppe in ihrer alten Schule zurückgelassen – so wie eine Generation früher schon ihre Mutter und zwei Generationen zuvor ihre Tante, die es allerdings aus anderen Gründen als Kaija –  und in ‚umgekehrter Fluchtrichtung‘ – aus der Kleinstadt herausgezogen hat. Zu Kaijas Geschichte, die im Mittelpunkt des Adoleszenzromans Von da weg steht, kommen also die Geschichten der Mutter Ruth und die der Großtante Josepha hinzu. Und man erkennt deutliche Parallelen zwischen diesen drei Geschichten, auch wenn sie im Detail ganz unterschiedlich verlaufen sind. weiterlesen

Walter – ein ziemlich überraschender Comicroman!

von Laura Grüneberg, Marie Laubenthal, Mia Lourenco und Jule Neumann (2024)

„Mein ziemlich seltsamer Freund Walter“ von Sibylle Berg und Illustrator Julius Thesing erzählt von Freundschaft und Mut, aber auch von dem Gefühl des Andersseins, von Ausgrenzung und Mobbing. Die humorvolle und facettenreiche Erzählweise spricht junge Leser*innen an und verleiht der Handlung trotz einiger ‚schwerer Zeichen‘ Leichtigkeit, die Peer-Perspektive erzeugt Authentizität. Und die Mischung aus Realität und Science-Fiction macht das Buch sowohl unterhaltsam als auch berührend. weiterlesen

Bildung und Spaß miteinander vereinen oder
Eine aufregende Bildungsreise durch die Welt der Kunstgeschichte!

von Annika Jüngel, Noah Michels, Mara Pohl, Meike Röttger (2024)

Kunst in Kombination mit Sachbüchern ist nichts für jüngere Kinder? „Hast du das schon gesehen?“ von Gloria Köpnick und Rainer Stamm vereint die Freude zu schauen mit der zu wissen schon für Kinder im Grundschulalter! Das Werk zeichnet sich durch eine Kombination aus kreativen Illustrationen und klaren, prägnanten Texten aus, die einen ersten Eindruck von unterschiedlichen Epochen und Stilen der Kunstgeschichte vermitteln. weiterlesen

Fringsen erlaubt? Eine inspirierende Einführung in Ethik für junge Denker*innen

Von Judith Fenneker, Regina Hanau, Paula Schaefer, Jana Schitthof, Johanna Schneider (2024)

„Was ist Freiheit?“, „Muss man immer die Wahrheit sagen?“ und „Wie viel wiegt ein Menschenleben?“. Junge Leser*innen ab zwölf Jahren werden in „Wem gehört die Welt? Ethik für Kinder” von Julia Knop eingeladen, sich mit einigen wichtigen ethischen Fragen auseinanderzusetzen. Auch für jüngere Kinder ist das Buch zum gemeinsamen Lesen geeignet. weiterlesen

Ein magisches Abenteuer voller Witz und Fantasie

Von Dana Herter, Anna Holzmann, Jule Neef und Ha Uyen Nguyên (2024)

Paul Maar hat mit „Die Tochter der Zauberin“ wieder einmal ein zauberhaftes Kinderbuch geschaffen, das v.a. junge Leser*innen begeistern wird. Die Erzählung dreht sich um Fizzi, die Tochter der bösartigen Zauberin Frau Schmitt. Anders als ihre Mutter hat Fizzi jedoch kein Interesse an der Zauberei, was sie schließlich in eine magische Zwischenwelt führt. Hier muss sie nicht nur ihre eigene Magie entdecken, sondern auch eine Reihe fantastischer Abenteuer bestehen. weiterlesen

Von Spaßvögeln und Astronauten: Ein Sommer voller Mut, Krisen und Freundschaft

Von Jeremy Brünkers, Greta Gisinger, Julia Küker und Patrick Laumen (2024)

Vögel können fliegen, Astronauten nicht. Also nur in ihrem Raumschiff. Ein Spaßvogel und ein Astronaut begegnen sich im Internet. Natürlich kein echter Spaßvogel und auch kein echter Astronaut, aber in der Grundschule waren die beiden so an Karneval verkleidet. Fünf Jahre später, im Jahr 2024, sind sie 14 Jahre alt und haben Sommerferien.weiterlesen

Alles andere als gewöhnlich: Ein mitreißender Fantasyroman für mehr Diversität im Bücherregal!

von Anneke Maurer (2024)

Ein Höllenhund zum zwölften Geburtstag? Das ist einer der Vorzüge, wenn man – wie Nichole Blake – kein gewöhnliches Kind ist. Als Manifestorin gehört Nic, genau wie Vampire und Werwölfe, zu den „Ungewöhnlichen“. Das bringt allerdings nicht nur Vorteile mit sich, denn durch eine Anhäufung aufwühlender Ereignisse gerät Nics Welt plötzlich aus den Fugen: Düstere Prophezeiungen, unversehens auftauchende Familienmitglieder und eine Gefahr nach der anderen prasseln auf sie nieder. Gemeinsam mit ihrem besten Freund JP und Alex, ihrem Zwillingsbruder, muss sich Nic auf eine gefährliche Reise quer durch die USA begeben, um ihren Vater zu retten. Wird es ihr gelingen, bevor sein Gedächtnis gelöscht wird? weiterlesen

„Da ist ein Körper. Der heizt sich auf, summt unter der Haut …“

Von Thomas Fischer (2024)

Ein origineller Roman über das Erwachsenwerden? So etwas gibt es tatsächlich noch: Stephan Lohses „Das Summen unter der Haut“

Normalerweise können Klappentext-Verfasser (ebenso wie Rezensenten) sich einen Vergleich mit Salingers „Fänger im Roggen“ nicht verkneifen, wenn sie einen Roman auf den Schreibtisch bekommen, der von einem einzelgängerischen Jugendlichen auf der Suche nach seiner Identität handelt. Ausgerechnet bei einem ziemlich guten Coming-of-Age- und gleichzeitigem Coming-out-Roman wie Stephan Lohses 2023 erschienenem Das Summen unter der Haut erscheint jener Urknall eines kaltschnäuzigen Jugendromans jedoch nicht im Werbetext, obwohl der Vergleich diesmal berechtigt wäre. weiterlesen

Ist unser Leben ein Wunder? – Einige Erklärungsversuche und viele Fragen

Von Lisa Hassel, Elisabeth Tews und Marie Wolters (2024)

Was ist der Sinn unseres Lebens, wie kann unsere Zukunft aussehen, welche Rolle spielt unsere eigene Identität und welche Verantwortung gegenüber dem Leben haben wir? Leo, Aurora, Noah, Alba, Julia und Máni – sie sind noch jung, doch werden irgendwann über die Fragen ihres Großvaters nachdenken! Jostein Gaarders „Ist es nicht ein Wunder, dass es uns gibt?“ kann nicht eindeutig einer konkreten literarischen Gattung zugeordnet werden, kommt es doch in Form eines fingierten offenen Briefes daher, der an seine sechs Enkelkinder adressiert ist. Diese Form eines Briefes wird insofern eingehalten, als das Buch mit einer Begrüßung beginnt und mit einer Abschiedsformel an seine Enkelkinder endet. Abschließend stellt der Autor eine offene Frage, die auf die Zukunft unseres Lebens zielt. weiterlesen

„Andersiger" im Ferienlager. Ein Jugendroman über Individualität, Gruppendynamiken, Ausgrenzung, Mut und Freundschaft

Von Anna Bendomir, Nele Deitmer, Maya Hengstmann, Tina Gref und Judith Küwen (2024)

Ein Urlaub im Ferienlager mit allen Klassenkameraden*innen, spaßigen Aktivitäten und Abenteuern — das klingt doch nach einem guten Programm für die Ferien, oder? Doch für den zunächst namenlosen Protagonisten des Kinderromans „Wolf“ ist das eher die Hölle im übertragenen Sinn: Denn das Kind aus der Großstadt mag weder Natur, lange Busfahrten noch Waldaktivitäten, doch da seine Mutter in den Ferien arbeiten muss, bleibt ihm keine andere Wahl. Jörg (das Mobbingopfer) hat im Gegensatz zu ihm große Freude an der Natur, doch als Außenseitertyp stellt sich für ihn die Gruppendynamik solcher Freizeitcamps als tatsächliche persönliche Hölle heraus. weiterlesen

Was passiert, wenn der Krieg vorbei ist?

Von Lena Enkrich, Carolin Helm, Csenge Kovacs und Marla Schad (2024)

Der Krieg ist aus. Aber was jetzt? Dieser Frage geht Julya Rabinowich in ihrem Roman Der Geruch von Ruß und Rosen nach, indem sie die geflüchtete Protagonistin Madina von ihrem gegenwärtigen Alltag erzählen lässt. In Form von Tagebucheinträgen werden die Lesenden in Madinas Gedanken- und Lebenswelt mitgenommen und mit brandaktuellen Themen wie Krieg, mentale Gesundheit oder Emanzipation konfrontiert. weiterlesen

Afrika: Eine Entdeckungsreise ohne Klischees - Vielfalt und Geschichte vereint

von Helin Akpinar und Johanna Kellers (2024)

Wie nah kommt man einem Kontinent durch ein Buch? Kim Chakanetsa und Mayowa Alabi bieten mit „Afrika“ eine mögliche Antwort auf diese Frage, indem sie die Leser*innen auf eine Reise durch Afrika einladen und dabei auf Klischees verzichten. Informationen über die Geschichte, die Natur und die Kultur der verschiedenen Teile Afrikas werden in dem Sachbilderbuch angemessen differenziert vermittelt und durch ansprechende Illustrationen begleitet. weiterlesen

„Alles, was ich brauche, sind Brusthaare, Stimmbruch und ein Schnitzel!“

Von Thomas Fischer (2024)

„Edvard“: Ein (nicht ganz) neuer Jugendroman von Zoë Beck.

Die Autorin Zoë Beck, die eigentlich Henrike Heiland heißt, ist vor allem mit Krimis sowie Übersetzungen aus dem Englischen hervorgetreten. Ihr Jugendroman „Edvard. Mein Leben, meine Geheimnisse“ erschien zum ersten Mal 2012 in einem Kölner Kleinverlag und liegt jetzt, parallel zu einer Fernsehserie im KIKA, in einer revidierten Neuausgabe bei Insel vor, wo er sicher auch durch diesen Medienverbund ein breiteres Lesepublikum finden wird. Der Roman zeigt, dass die Verfasserin sich durchaus in die Gedankenwelt eines pubertierenden Jungen einzufühlen vermag. weiterlesen

„Nachfragen über Judenkinder verboten.“

Von Thomas Fischer (2024)

Es kommt selten vor, dass ein gestandener Bibliothekar bei einem Jugendbuch die Handlung mit heißen Ohren verfolgt, nicht mit dem Lesen aufhören kann und wichtige Aufgaben liegen lässt. Die Hamburger Erfolgsautorin Cornelia Franz hat es jedoch geschafft!

Ihr brandneuer Roman „Goldene Steine“ schickt drei Jugendliche auf eine spannende Reise durch die jüdische Vergangenheit ihrer Heimatstadt. Der fünfzehnjährige Leon, ein vernachlässigtes Wohlstandskind, wird aus heiterem Himmel auf dem Weg zum Sport zusammengeschlagen. Erst allmählich geht ihm auf, dass der Überfall mit dem ‚Käppi‘ zu tun haben muss, das er zuvor einem Mann vom Kopf gerissen und sich aus Spaß selbst aufgesetzt hat. weiterlesen

„Und – was nun?“ Neun Perspektiven auf den Tod

Von Monika Houf, Jana Meiger, Maresa Müller, Ida Punsmann, Catherine Tallon (2023)

Vogel –­ bester Freund, Konkurrent, Vertrauter, Rivale. Da liegt er, auf dem Rücken, Füße in der Luft. Gestern haben sie noch den Tag zusammen verbracht und heute – heute sieht die Welt ganz anders aus, denn Vogel ist nicht mehr da. Tiny Fisschers und Herma Starrevelds Vogel ist tot setzt die, schon seit längerer Zeit auch im Kinderbilderbuch verhandelte, schwierige Thematik Tod durch ansprechende bildliche und sprachliche Elemente respektvoll, aber auch humorvoll in Szene.  weiterlesen

Erzählkäsefondue Ausrufezeichen Fragezeichen Ausrufezeichen oder Überlegungen zu einer Ästhetik der generation cheese beer

vom Alaaf-Köllektiv (2023)

Heinz Strunk, seines Zeichens medial omnipräsenter, kommerziell erfolgsverwöhnter Tausendsassa mit Niveautransgressionslizenz und zugleich seit einiger Zeit ein durchaus unwahrscheinlicher Liebling der deutschen Vorzeigefeuilletons, legt mit Die Käsis ein knallbuntes Nonsens-Märchen vor, das vor Ballaballalogik, abstrusen Pointen und dem typischen Strunk-Sound nur so strotzt – und das dabei natürlich nur so tut, als ob es ein Kinderbuch sei. weiterlesen

Handball und Spannung!

von Leo (12 Jahre)

In dem Buch Handball Gang. Auf der Spur der geheimen Formel geht es, dem Titel entsprechend, natürlich um Handball. Und zudem wird eine Kriminalgeschichte erzählt, die aber auch mit dem Thema Handball zusammenhängt. Nachdem die zentralen Figuren vorgestellt wurden, beginnt die Geschichte sofort sehr nervenaufreibend. Als Leser*in erwartet man aber nicht nur jede Menge Spannung und Action, sondern auch, dass das Buch lustig ist. Und das ist hier der Fall! weiterlesen

Tot gespart – 95 Jahre Arbeit und trotzdem reicht es nur für 1,7 m²!

von Dalizia Demke, Lea Hunscheidt, Hannah Prior und Celine Tozun (2023

‚Ausgerechnet heute geht es ihr gut? Es musste ein Irrtum vorliegen. Fast fünfundneunzig Jahre alt war seine Mutter, bevor sie starb. Ihr Leben lang hatte sie ihm gesagt, ihr gehe es schlecht. Ausgerechnet heute geht es ihr gut? Das kann nicht sein.‘

In seinem neuen, relativ kurzen Roman „Eigentum“ widmet sich der mit den Brenner-Krimis bekannt gewordene und vielfach ausgezeichnete Autor Wolf Haas der bewegenden Lebensgeschichte seiner im Alter von beinahe 95 Jahren verstorbenen Mutter. Er begleitet sie sozusagen erzählend noch einmal auf ihrem harten Weg zur Verwirklichung des Traums von materiellem Wohlstand und sozialer Anerkennung – also auf der erst ganz zum Lebensende hin und auf absurde/tragikomische Weise erfolgreichen Suche nach dem titelgebenden Eigentum. weiterlesen

Wie kommt King Kong in den Schwarzwald?

von Lisa Röseler (2023)

Das Leben in einer Kleinstadt im Schwarzwald ist nicht gerade aufregend, jedenfalls nicht für den 16-jährigen Lenni, dessen Eltern ein Bestattungsunternehmen gehört. Zumindest freut er sich aber darauf, nach den Sommerferien zusammen mit seinem besten Freund Serkan an einem aktuellen Theaterstück zu arbeiten. Doch dann stellt ein neuer Schüler, Benjamin, die Freundschaft der beiden auf eine harte Probe und sprengt zudem fast die Theater-AG der Schule. Denn der Vorwurf des Rassismus steht plötzlich im Raum, weil ausgerechnet Serkan die Rolle des Affen im Musical „King Kong“ bekommt und Lenni sich in der von Benjamin aufgeworfenen Diskussion positionieren muss. weiterlesen

Zitteraal und Wirbelwind

Von Yasemin Sahin, Hatice Kilicaslan, Jana Franz und Elena Massenkeil (2023)

„Julian und Anisa und das Wunder vom Wacholderpark“ von Benjamin Lebert ist eine Kindergeschichte über Solidarität und die Bedeutung des Zusammenhalts in schwierigen Zeiten. Mit viel Einfühlungsvermögen wird die Geschichte von einer sich entwickelnden Freundschaft zwischen zwei Kindern erzählt, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Das Werk behandelt dabei auch das Thema Mobbing und zeigt, wie wichtig es ist, für andere einzustehen und sie zu unterstützen.

Obwohl die Figuren eher typisiert sind, wirken sie durchaus authentisch, was insbesondere dadurch gewährleistet wird, dass die Geschichte abwechselnd aus den Perspektiven beider Charaktere erzählt wird, die den Geschlechterklischees entgegen konzipiert sind: Julian ist ein schüchterner und einfühlsamer Junge. Anisa hingegen ist ein selbstbewusstes Mädchen, das Stärke und Entschlossenheit verkörpert. weiterlesen

Die Kraft der Erinnerung

Von Marie Carina Froesch und Rafaela Batlle Zadow (2023)

Bei dem Generationenroman „Kai zieht in den Krieg und kommt mit Opa zurück“ von Zoran Drvenkar handelt es sich durchaus um harten Tobak. Es dauert zunächst eine Zeit, bis man sich in die Handlung eingefunden hat, aber schließlich verfehlt der Roman seine aufrüttelnde Wirkung nicht. Drvenkar schafft durch einen verschachtelten Handlungsverlauf so lange Verwirrung, bis man sich als Leser*in kaum mehr entziehen kann.

Wie der Titel schon andeutet, geht es in dem Roman um den elfjährigen Kai und seinen hundertjährigen, an Demenz erkrankten Großvater. Der Roman beginnt mit einer Szene, in der Kai von seinem Großvater gefesselt wird, weil er ihn fälschlicherweise für einen Einbrecher hält. Dies macht deutlich, wie weit fortgeschritten die Demenz von Kais Großvater bereits ist. Kai startet nun eine Art Offensive gegen die Krankheit, indem er sich mit seinem Großvater auf eine Erinnerungsreise in dessen Vergangenheit begibt. weiterlesen

Eine Meerjungfrau zwischen Disneyfilm und Bilderbuch – Gefangen zwischen Interpretation und Illustration

Von Anna-Lena Claßen, Lara Felder und Sophie Paetzold (2023)

In einer großen, dunkelblauen, von Neonpink durchzogenen Wasserwelt, wünscht sich die kleine Meerjungfrau nichts sehnlicher, als zum Menschen zu werden, um an Land die Liebe des Prinzen für sich gewinnen zu können. – Wer kennt es nicht, das berühmte Kunstmärchen von Hans Christian Andersen? Und aufgrund der Neuverfilmung durch den Disney-Konzern ist die Geschichte auch wieder in aller Munde, auch wenn es dabei nicht immer um das Märchen an sich geht… Abseits von diesem ‚kulturkämpferischen Getümmel‘ ist beinahe zeitgleich auch eine Bilderbuchadaption durch den französischen Illustrator Benjamin Lacombe erschienen, die sich zu lesen und zu betrachten lohnt. weiterlesen

„Toffee, wie ein Karamellbonbon. […] Mal weich, mal zäh, mal hart“

Von Vanessa von Malottki und Chiara Mertens (2023) (2023)

„Wie Glücklichsein von außen aussieht”, weiß Allison ganz genau – doch als sie es endlich fertigbringt, vor ihrem unberechenbaren und gewalttätigen Vater zu fliehen, ist sie zwischen den guten und den schlechten Erinnerungen an ihn hin- und hergerissen. Ihr Plan ist es zunächst, bei der letzten Freundin ihres Vaters unterzuschlüpfen, die ebenfalls vor ihm geflohen ist. Doch die Suche nach einer Bleibe gestaltet sich schwieriger als gedacht. Schließlich übernachtet Allison in einem Gartenhäuschen hinter einem verwahrlosten Haus und wird bald darauf erwischt. Doch ganz anders, als Allison es erwartet hätte, wird sie von der Bewohnerin des Hauses, Marla, fröhlich empfangen. Denn die demente Marla hält Allison für ihre Kindheitsfreundin Toffee und gibt ihr ein Zuhause. Es beginnt ein Kampf von Erinnern und Vergessen, aus dem eine einzigartige Freundschaft entsteht. weiterlesen

Ist das noch Urlaub oder kann das weg?

Von Studierenden der Uni Köln (2023)

Schon wieder ein Urlaub mit Mama und Papa?! Für die dreizehnjährige Ari ist das der Inbegriff der Langeweile. Viel lieber hätte sie mit ihrer Freundin Elif die Ferien verbracht. Mama arbeitet. Papa ist eingeschnappt. Es gibt Streit. Jetzt reichts. Raus aus dem Ferienhaus und allein sein, denkt Ari. Als sie auf Pegasos trifft, beginnt endlich ein kleines Abenteuer.

In dem aktuellen Jugendroman von Tamara Bach kann sich die Protagonistin weder den streitenden Eltern noch der gähnenden Langeweile entziehen. Diese Momente von Eintönigkeit werden auch für die Lesenden nachvollziehbar, denn gerade die vermeintlich ereignislosen Momente werden detailliert ausgeschmückt.weiterlesen

Zwischen Nonsense, Lyrik und Nonsense-Lyrik!

Von Faruk Acar, Lena Lobmeyr und Leonie Paulzen (2023)

Arne Rautenberg veröffentlicht mit „Dieser Tag ist mein Freund” eine vielseitige Sammlung von Kinderlyrik. Auf 48 Seiten finden die Leser*innen eine Vielzahl von verschiedenen Gedichten, die von Nadia Budde knallbunt und formverliebt illustriert wurden. Die Gedichte behandeln unterschiedliche Themen, die von Nonsense bis zu aktuellen gesellschaftlichen Themen reichen. Neben den klassischen Kindergedichtformen findet man auch Laut- oder Figurengedichte. Alle Gedichte sind thematisch und sprachlich leicht zugänglich und inspierend, was auch der Gestaltung der Illustrationen zu verdanken ist. Sie sind alltagsnah und lassen sich kurz mit vier Worten beschreiben: frech, bunt, witzig und klug! weiterlesen

Zwei Kinder und ein Roboter oder Eine schlecht erzählte Geschichte über Mediensucht, die nur wenig mit KI zu tun hat

Von Judith Krotz, Melina Vogt und Anika Weißkirchen (2023)

Wer wünscht sich keine Freund*in, die auf jede Frage eine Antwort hat und bei allem helfen kann? Für die achtjährige Mia ist dieser Traum wahr geworden. Denn da ihre Mutter auf Geschäftsreise ist, darf Mia deren Roboter „Ki“ nutzen, welcher der Mutter eigentlich beim Arbeiten hilft. Allerdings ist Mias bester Freund Finn nicht begeistert davon, durch den Roboter ersetzt zu werden, denn Mia verbringt ihre Zeit von nun an lieber mit dem kleinen Roboter als mit Finn. Doch bald merkt Mia, dass der Roboter weder einen Menschen noch ihren besten Freund ersetzen kann.weiterlesen

Kartoffel, Kichererbse und Davidstern?!

Von Sueda Aydin, Isabelle Bischoff, Lea Ebenhög, & Jessica Stalewska (2022)

„Völlig meschugge?!“ erzählt die Geschichte von drei unzertrennlichen Freunden – Charlie, Benny und Hamid bewältigen gemeinsam Herausforderungen und Konflikte des Teenager-Daseins. Als Benny von seinem Opa einen besonderen Anhänger vererbt bekommt, beginnt in der Schule ein gefährlicher Kreislauf aus Mobbing, Rassismus und Antisemitismus, der die Freundschaft der drei auf die Probe stellt.

Kann die Freundschaft siegen oder werden alle am Ende völlig meschugge? Die Protagonistin Charlie nimmt die Leser*innen ab der ersten Seite fest an die Hand und springt mit ihren knallgelben Gummistiefeln direkt ins Geschehen. Schnell lernen wir die drei kennen: Charlie, die Umweltaktivistin, Hamid, den Zeichenkünstler und Benny, den Überflieger. Gemeinsam schaffen sie alles, auch sich gegen Lennarts „Mobberclique“ zu wehren. weiterlesen

Per S-Bahn durch die Galaxis

Von Marlen Amen, Lucia Bürvenich, Eileen Sugge und Christina Timmerarens (2023)

Notbremsung – auf einmal stoppt der Zug mit gewaltigem Schienenquietschen. Und Pongers ganzes Leben stellt sich auf den Kopf, als er ein barfüßiges Mädchen mit gelbem Regenmantel kennenlernt, das für diesen ungeplanten Halt verantwortlich ist. Das ist Henny, sie ist auf der Flucht vor der Polizei und braucht seine Hilfe. Ponger, ein talentierter Mechaniker, soll etwas für sie reparieren. Doch obwohl er sich auf den ersten Blick in sie verliebt hat, ist er von dieser Idee alles andere als begeistert. Henny lässt aber nicht locker, verfolgt Ponger und als die Geschichte, die sie ihm erzählt, immer mysteriöser wird, kann er nicht mehr widerstehen. weiterlesen

Der Kampf gegen die riesen Trinkbecher oder Dog Man ist wieder da!

von Leo (11 Jahre)

Das Warten hat ein Ende! Endlich hat Dav Pilkey den zehnten Band seiner „Dog Man“-Reihe veröffentlicht. Der fantastische Comic mit dem Titel „Sturm und Drang“ handelt von unterschiedlichen Figuren und ihren Geschichten: Zum Beispiel geht es um zwei lustige Nervensägen namens Molly und kleiner Petey, die sehr kreativ sind. Es geht auch noch um zwei Trinkbecher, die durch Lebensspray zum Leben erwacht sind und dann auch noch durch Wachstumsspray zu riesigen Killermaschinen werden. Natürlich versuchen Dog Man und Chief, die beiden Bösewichte aufzuhalten. Zum Ausgleich zu so viel verrückter Action geht es dann in einem anderen Kapitel auch noch ums Verliebtsein und ums Knutschen. weiterlesen

Wie Cece ihre Superkraft entdeckte

Von Bilge Arkut, Marie Gaßner, Carina Götz, Hannah Meister (2023)

„Es ist soo leise“. Plötzlich wird es still in der sonst so lauten Welt der kleinen Cece. Das ist gar nicht so leicht zu verstehen für ein vierjähriges Mädchen. Nach einer Hirnhautentzündung verliert Cece ihr Gehör und muss lernen, sich in ihrer neuen Welt zurecht zu finden. Doch mit Hilfe ihrer nicht gerade unauffälligen Hörgeräte fühlt sie sich überraschend schnell in einer Vorschulklasse für Gehörlose wohl. Aber so einfach soll es für Cece nicht weitergehen. Als sie nach den Sommerferien in die Grundschule kommt, steht sie vor vielen neuen Herausforderungen. weiterlesen

Rassismus ist überall (ja, auch bei uns).

Von Leah Buntrock, Sascha Raser, Marlene Samary, Michael Weyers  (2023)

Stamped ist eine von dem Jugendbuchautor Jason Reynolds abgewandelte Version eines akademischen Werkes des Historikers Ibram X. Kendi (2016). Doch trotzdem ist es (k)ein Geschichtsbuch, dies betonen die Autoren mehrmals. Doch kann ein Buch, was über die Geschichte von Rassismus erzählt, überhaupt kein Geschichtsbuch sein?

Die Zusammenarbeit von Reynolds und Kendi führt die Leser:innen in fünf Teilen durch 600 Jahre Rassismus: Von dem „ersten Rassisten“, zu Barack Obama über Tarzan und Planet der Affen zu Black Power und Black Lives Matter. An ausgewählten Beispielen sollen die Leser:innen ihre persönliche Haltung, sowie auch existente soziale Zustände kritisch auf ihre rassistischen Strukturen hinterfragen. Ein großes und komplexes Thema wird in gut zugänglicher Sprache erklärt – kein Begriff wird kommentarlos in den Raum geworfen. weiterlesen

„Halts Maul dummer Junge […], das sind die Wissenschaften!“

Von Pia Claußen (2023)

2022 jährte sich der Todestag des ‚Universalkünstlers‘ E.T.A. Hoffmann zum zweihundertsten Mal, was der Secession Verlag Berlin zum Anlass nahm, das 1817 erschienene, kinderliteraturgeschichtlich sehr einflussreiche Kunstmärchen „Das fremde Kind“ in einer neu illustrierten Ausgabe zu publizieren, die zudem via QR-Codes Musik in die Textur einbezieht. Zur Erinnerung: E.T.A. Hoffmann erzählt zunächst die Geschichte des naturverbundenen Geschwisterpaares Christlieb und Felix, das unbeschwert und gemeinsam mit seinen Eltern im dem kleinen Dorf Brakelheim lebt. weiterlesen

‚Die Fantasie der Chancenlosen‘ oder Wenn die Realität gnadenlos zuschlägt

Von Magdalena Hof, Philine Emma Loudovici und Sarina Schuler (2022)

Nein, das ist kein Wohlfühlbuch und nein, das ist keine harmlose Tiergeschichte und nein, es geht auch nicht um Flausen im Kopf oder die erste Liebe, sondern es geht um eine literarische Lektion über soziale Härte, über psychische und physische Grausamkeit, über Verwahrlosung und Lieblosigkeit! In „Die Biene im Kopf“ erzählt der renommierte Dramatiker Roland Schimmelpfennig vom Alltag eines traumatisierten, sozial verwahrlosten, chancenlosen Kindes, das tatsächlich vollkommen auf sich allein gestellt ist. Es (den Namen und das Geschlecht erfahren wir nicht) wacht bereits morgens mit der Angst vor seinen alkoholabhängigen Eltern auf und versucht, ‚ohne zu stören‘, aus dem Haus zu gelangen. Doch in der Schule hören die Probleme nicht auf bzw. fangen erst richtig an. Familie und Schule bieten also keinen Schutzraum für das Kind, und zum Desinteresse und der Wut der Eltern kommen die Hänseleien und Aggressionen der Mitschüler*innen sowie die Demütigungen durch eine Lehrerin noch hinzu! .weiterlesen

Ricki for future!

Von Lucie Corsten, Agnes Grahn, Marina Krüger, Christina Magera (2022)

Welches Kind kennt das Gefühl nicht? In unserer Gesellschaft läuft etwas schief, doch anstelle Hilfe bei der Veränderung und Verbesserung zu erhalten, macht man lediglich die Erfahrung, dass man von den Erwachsenen und der Politik im Stich gelassen wird! Und so wird der Drang, die Dinge irgendwann selbst in die Hand zu nehmen, immer stärker, wie man am Beispiel von „Fridays for Future“ sehr gut erkennen kann. Und genau so ergeht es auch Ricki, dem Helden von Zoran Drvenkars und Martin Baltscheits nun zum zwanzigjährigen Erscheinen neu aufgelegten Kinderroman „Der einzige Vogel, der die Kälte nicht fürchtet“, dessen Leben in einem endlos wirkenden Winter eingefroren zu sein scheint. Um ihn und seine Mitmenschen aus Lustlosigkeit und Apathie zu befreien, macht Ricki sich ganz allein auf die Suche nach dem personifizierten Winter – so kann es schließlich nicht weitergehen! weiterlesen

Ost-Berlin war mehr als Honecker und Mielke - Eine Jugend im Prenzlauer Berg der 1980er Jahre

von Thomas Fischer 2022

Punks, Schwule, Bohemiens, brotlose Künste, Rockbands, Hausbesetzungen: Dies alles assoziiert man eher mit dem brodelnden, heruntergekommenen West-Berlin der Achtzigerjahre. Doch der Roman „Fernweh im Paradies“ des Graphikers und Autors Matthias Mücke spielt überraschenderweise im Osten der Stadt, genauer gesagt im Bezirk Prenzlauer Berg. In den dortigen Altbauten der Kaiserzeit tummelte sich ein buntes Völkchen, das sich der allgegenwärtigen Überwachung des SED-Staatsapparates so gut es ging zu entziehen versuchte. Wer kann sich das nach der geradezu brutalen „Gentrifizierung“ der letzten Jahre noch vorstellen? weiterlesen

Wie geht das Leben nach dem Krieg weitergehen?

Von Julie Bruns, Ellen Fröhlich, Alissa Herrmann, Vanessa Weindel (2022)

Es ist das Jahr 1945 in Hamburg. In einem von Bomben zerstörten Haus versteckt sich Jakob und ist hungrig, ängstlich und vor allem: unwissend. Der 2. Weltkrieg ist seit einigen Tagen vorbei, doch das weiß er nicht. Er hat die Ruine seit Wochen nicht verlassen, aus Angst wie seine jüdische Mutter deportiert zu werden. Herr Hoffmann, der ihm heimlich Essen vorbeibringt, ist nun zwei Nächte hintereinander nicht aufgetaucht und Jakob fürchtet sich vor dem Moment, an dem er sich selbst auf die Suche nach Essen machen muss. Nicht weit von Jakobs Ruine lebt der 14-jährige Hermann, ein ehemaliger HJ-Führer. weiterlesen

Eine Jugend in Markheide – Zwischen Erinnerungen an die DDR, Neonazis, und Wessi-Scheiß

Von Kathrin Brys, Sarah Erken, Sarah Henselder, Niklas Klein, Jule Neuhaus (2022)

Ein Leben ohne Coca-Cola und Urlaube an Orten wie Spanien oder Italien und stattdessen Jugendorganisationen, wie die Jungpioniere sowie gefürchtete Grenzkontrollen. Während die Erinnerungen an ein geteiltes Deutschland älteren Generationen noch sehr präsent sind, liegen sie für die jüngere Generation in weiter Ferne. Mit „Wir waren wie Brüder” rückt Daniel Schulz eine Zeit in den Fokus, in der sich das Leben unzähliger Menschen von der einen auf die andere Minute ändert und nichts so ist, wie es mal war. Es ist ein Buch über Rechtsextremismus, brutale Gewalterfahrungen und die Suche nach einem Platz in einer Gesellschaft, die sich gerade neu erfinden muss. weiterlesen

Du musst dich an mich erinnern!

Von Altekamp, Marie; Langhorst, Jana; Perthel, Thila; Quantius, Lilly; Renard, Jeanne; Rother; Mavie (2022)

Dass Eli Auschwitz und Bergen-Belsen überlebt hat, seine Mutter verlor und ca. 6 Millionen Juden ermordet wurden, hätte er seinen Kindern gerne verschwiegen. Er will sie vor diesem Schmerz bewahren, doch Luli, seine Kindheitsfreundin und Ehefrau, überzeugt ihn es doch zu tun. „Worüber man nicht sprechen kann, das muss man aufschreiben,“ sagt sie.

Der Hass, das Leid und der Schrecken der nationalsozialistischen Gräueltaten sind jedoch nicht Hauptbestandteil des Buches. Vielmehr ist Elis Leben auch eine Geschichte von Liebe und wie ihn diese Liebe durch die dunkelsten Stunden seines Lebens rettet. Seine Liebe zu Luli bewahrt Eli gleich zweimal vor dem Tod. Rose Lagercrantz erzählt in ihrem Kinderbuch „Zwei von Jedem“ von dieser einmaligen Liebesgeschichte. Es wird das Leben eines Kindes, jungen Mannes und schließlich Vaters beschrieben, der das Undenkbare überlebte und den Mut aufbringt, der nächsten Generation seine Geschichte zu erzählen. weiterlesen

Die lange Reise des Algiukas Mielis

Von Robert Breuer und Jill Otte (2022)

Algiukas wacht mitten in der Nacht auf, Hunde bellen und eine Faust hämmert gegen die Türe. Russische Soldaten befehlen ihm und seiner Familie, ihre sieben Sachen zu packen und das Haus zu verlassen. Algiukas nimmt seinen besten Freund Martin, den Ganter, mit. Sie fahren mit einem Pferdewagen zu einem benachbarten Bahnhof. Dort wird Algiukas mit seiner Schwester Dalia, seiner Oma Röslein und seiner Mutter Ursula von russischen Soldaten in einen Viehwagon gesteckt. Die Familie wird vom Vater getrennt. Damit beginnt die lange Reise von Algiukas und seiner Familie. Sie werden aus Litauen nach Sibirien deportiert. weiterlesen

Eine Teenager- Disharmonie (?)

Von Annika Busche, Suzan Gücer, Noah Krause, Nadine Krämer und Jessica Nestroy (2022)

Nils Mohl beschreibt seinem Verlag das Werk als ein Buch, welches introspektiv von der Zeit des Erwachsenwerdens erzählt, ohne dabei ein Roman zu sein. Es habe zwar lyrische Momente, sei jedoch kein Gedichtband. Es lasse sich keiner bestimmten Stilrichtung zuordnen, weshalb er es selbst „hochstapelnd” als ein „Ulysses ultralight” bezeichnet, angelehnt an James Joyce „Ulysses“ aus dem Jahr 1922. weiterlesen

Wenn Schicksal verbindet...

Von Iklima Aslan, Meltem Barutcu, Kübra Boztas, Patrick Hekkert, Sarah Mühlberger, Marie Fee Remitschka, Buket Saglik (2022)

Wieso fotografierst du nie Menschen?“,
fragt Salomon.
Ich zucke mit den Schultern.
„Menschen sind unzuverlässig. Sie kommen und gehen,
wie es ihnen passt.
Besser,
man versucht es gar nicht, sie festzuhalten.

„Bewegend“, „berührend“, „fein“ und „nahbar“ möchte man die von Elisabeth Steinkellner geschriebene Geschichte von Esther und Salomon beschreiben, so sind diese Attribute nur allzu treffend. weiterlesen

„Nur, wer diese geheimnisvolle Maschine versteht, kann auch selbst an den wichtigen Rädchen drehen und so mitreden. Dann macht Politik super viel Spaß.“

Von Mert Kaan Emre, Ezgi Ilhan, Melis Karakullukcu, Benjamin Makoschey, Alina Passerschroer, Elisa Stadler (2022)

Ist Politik nicht total langweilig für Kinder? Die Autoren Lisa Duhm und Jan von Holleben sind da anderer Meinung. Sie versuchen Politik altersgerecht und zugänglich zu erklären. In Zusammenarbeit mit Kindern verschiedener Schulen und aus Klassen der Stufen 4 bis 8, ist ein abwechslungsreiches und buntes Kindersachbuch entstanden. Die Kinder fragen sich beispielsweise: Wohnt der Kanzler in einer Villa? Was passiert, wenn ein Politiker durchdreht? Dürfen Politiker ins Freibad gehen? weiterlesen

We are the change !

Von Tugce Alan, Merve Demirel, Mavera Fidan, Elif Günaydin, Elif Kara, Tugba Sevim (2022)

Amanda Gorman trug am 20. Januar 2021 bei der Amtseinführung des 46. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Joseph R. Biden, als jüngste Inaugurationsdichterin in der Geschichte ihres Landes ihr Gedicht „The Hill We Climb – Den Hügel hinauf“ vor und wurde damit weltberühmt.
Das Bilderbuch „Change – Eine Hymne für alle Kinder“ ist die erste Kinderbuchveröffentlichung der Autorin und handelt von einem jungen Mädchen, welches durch Musik und Rhythmus Menschen zusammenbringt. weiterlesen

Rosalie. Als mein Vater im Krieg war

Von Nesrin Bölükbasi, Lisa-Marie Dreypelcher, Erdem Gündug, Lara Huseinov, Arbenita Murseli, Saskia Pasch (2022)

Im Winter des Jahres 1916 herrscht Krieg. Rosalie ist fünfeinhalb Jahre alt und die Tochter eines Soldaten, der für Frankreich an der Front kämpft. Ihre Mutter arbeitet den ganzen Tag über in einer Waffenfabrik. Da niemand auf Rosalie aufpassen kann, bietet der Lehrer Rosalies Mutter an, auf die Fünfjährige Acht zu geben und so darf sie jeden Tag in die Schule für die Großen und sitzt unbeachtet hinten im Klassenzimmer. Als Hauptmann Rosalie tarnt sich die Fünfeinhalbjährige und plant eine geheime Mission. Sie beobachtet das Klassengeschehen und notiert sich die geheimnisvollen Zeichen von der Tafel in ihr Heft, welches sie niemals aus den Augen verliert. weiterlesen

„Wie Urmenschen. Urmenschen vor Kinderwagen.“

Timur Vermes legt seinen dritten Roman vor. Falls es einer ist.

Von Thomas Fischer (2022)

Sitzen eine Frau und ein Mann in einer U-Bahn… So beginnen schlechte Witze, so stellt sich aber auch die Ausgangssituation des Textes mit dem kurzen und bündigen Titel „U“ dar, den Timur Vermes als sein drittes Buch vorlegt:

Eine übermüdete Verlagsmanagerin und ein verkrachter Fernsehlaufbursche befinden sich nachts als einzige Fahrgäste in einer U-Bahn. Beide wollen nur noch schnell nach Hause, doch daraus wird nichts. Die U-Bahn fährt und fährt und fährt – und weit und breit keine nächste Station. weiterlesen