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Per S-Bahn durch die Galaxis

Von Marlen Amen, Lucia Bürvenich, Eileen Sugge und Christina Timmerarens (2023)

Notbremsung – auf einmal stoppt der Zug mit gewaltigem Schienenquietschen. Und Pongers ganzes Leben stellt sich auf den Kopf, als er ein barfüßiges Mädchen mit gelbem Regenmantel kennenlernt, das für diesen ungeplanten Halt verantwortlich ist. Das ist Henny, sie ist auf der Flucht vor der Polizei und braucht seine Hilfe. Ponger, ein talentierter Mechaniker, soll etwas für sie reparieren. Doch obwohl er sich auf den ersten Blick in sie verliebt hat, ist er von dieser Idee alles andere als begeistert. Henny lässt aber nicht locker, verfolgt Ponger und als die Geschichte, die sie ihm erzählt, immer mysteriöser wird, kann er nicht mehr widerstehen. Also begeben sie sich gemeinsam auf eine Reise nach Amrum, wo ihr kaputtes Transportmittel vorrübergehend deponiert ist. Mit dabei ist Pörl, Pongers „Adoptiv-Oma“, die ihn aufgenommen hatte, als er plötzlich halb verhungert und ohne Erinnerung an seine Vergangenheit in ihrem Wohnwagen saß. Auf der Reise entwickelt sich langsam eine Liebesgeschichte zwischen Henny und Ponger, die aber plötzlich gar nicht mehr im Mittelpunkt steht, als die Geschichte eine phantastische Wendung nimmt oder zu nehmen scheint…

 „Henny & Ponger“ ist also nur auf den ersten Blick ein typischer Coming-of-Age Roman, der von der Liebe und dem Gefühl, sich als Jugendlicher fremd in der eigenen Haut/ in der Welt zu fühlen, erzählt. Und gleichzeitig ist der Roman eine Liebeserklärung an die Literatur, an die Musik und an die Sprache: Die Geschichte beginnt damit, dass die beiden Hauptfiguren ins Gespräch kommen, weil sie das gleiche Buch lesen; zudem entsteht durch die vielen Songzitate ein eigener Soundtrack von Pink Floyd bis Haiyti. Und Pongers Art zu sprechen ist eine eigenartige Mischung aus Alltagssprache, vereinzelten hochgestochenen Wörtern und bildreichen, sowie lautmalerischen Neologismen. Außerdem saugt er das, was er in seinem Umfeld hört.

Sollte man „Henny & Ponger“ also lesen? Wer eine kitschige Liebesgeschichte sucht, wie sie der Klappentext zu versprechen scheint, wird hier nicht fündig. Erwachsene, die sich in die Jugendbuch- Abteilung verirren, sollten dieses Buch also auf jeden Fall vorab selbst lesen, bevor sie es ihrer 14-jährigen Nichte zum Geburtstag schenken, die mit großer Wahrscheinlichkeit weder Flipper-Automaten noch Pink Floyd kennt. Nostalgie und Coming-of-Age sind eine eher eigenwillige Mischung, aber genau wie Pongers Wortschatz haben sie ihren ganz eigenen Charme. Spannend sind auch die verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten, die das Buch anbietet: Sind Henny, Ponger und Pörl tatsächlich Aliens? Oder spielt doch alles nur in Pongers Einbildung? – Die Antwort lautet natürlich ‚42‘: „Henny & Ponger“ ist ein Jugendbuch, an dem sicherlich auch Jugendliche Spaß haben können, das seine galaktische Größe aber noch besser bei erwachsenen Leser*innen entfaltet.

Bibliographie Angaben:

Nils Mohl
Henny & Ponger
München: Mixtvision (2022)
320 Seiten

 

Textprobe: