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Beste Freundinnen auf Draculas Spuren

verfasst vom Les(e)bar-Kinder-Corona-Kollektiv 2020

Lara Schützsacks Kinderroman “Tilda, ich und der geklaute Dracula” erschien im September 2019. Er richtet sich an Leser*innen ab acht Jahren und erzählt die Geschichte der besten Freundinnen Tilda und Oda, die sich als Detektive ausprobieren, um einen entführten Hund und – sozusagen nebenbei – ihre Freundschaft zu retten. Um dieses ‚Verbrechen‘ aufzuklären, müssen Tilda und Oda allerlei widersprüchlichen Hinweisen nachgehen, und dass die Freundinnen so unterschiedlich sind, ist dabei gar nicht schlimm. Denn gerade weil Oda so schnell wie ein Blitz und Tilda so langsam wie ihre Schnecken – die sie als Haustiere hält – ist, passen sie so gut zusammen wie zwei Legosteine. Die witzig-freche Erzählweise der Ich-Erzählerin Oda und die damit geschaffene Grundstimmung machen “Tilda, ich und der geklaute Dracula” zu einer unterhaltsamen Freundschaftserzählung mit Detektivspielbonus, die durch skizzenhafte Illustrationen von Regina Kehn untermalt wird. Entfernt erinnert das Buch zudem an Berliner Kinder-Detektivromane wie Andreas Steinhöfels „Rico, Oskarund…“-Tetralogie oder an die klassischen Übertexte Erich Kästners und Wolf Durians, ohne sich jedoch mit ihnen messen zu wollen.

Bibliografische Angaben:

Lara Schützsack
Frankfurt am Main: Fischer Sauerländer 2019
256 Seiten
12,00,- / E-Book 9,99,-
Einordnung: ab 8 Jahren

Leseprobe:
Gerade, als ich mich damit abfinden will, dass heute wahrscheinlich der langweiligste Tag des Jahres ist, passiert plötzlich etwas: Hinter uns fliegt die Haustür auf. Jemand rauscht im Sturzflug über uns drüber. Es ist das Mädchen, das vor zwei Monaten mit seiner Mutter Schwester neu ins Haus eingezogen ist. Tilda und ich nennen sie heimlich Borsti, weil ihre kurzen Haare aussehen wie die kratzigen Borsten einer Bürste. Eigentlich heißt sie Jorinde. Obwohl Jorinde nur ein Jahr älter als Tilda und ich ist, guckt sie uns im Treppenhaus kaum an. Außerdem scheint sie überhaupt keine Freunde zu haben. Ich habe sie noch nie mit einem anderen Kind gesehen. Stattdessen bolzt sie oft zwei Stunden am Stück mit einem Fußball auf das Denkmal vor unserem Haus. Bolzborsti. Der Einzige, der immer bei ihr ist, ist ihr kleiner Hund. Der Hund ist schwarz und struppig. Seine untere Zahnreihe ragt komisch aus dem Maul heraus. Das nennt man Unterbiss, und wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum Jorinde ihn Dracula genannt hat.