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Titelbild
Schlüter, Andreas:
Level 4 – Die Stadt der Kinder
Mit Zeichnungen von Karoline Kehr.
München: dtv 1998.
(Erstausgabe 1994)
(dtv junior 70459)
272 S., € 8,-.

Schlüter, Andreas (Text) und Karoline Kehr (Illustration) : Level 4 – Die Stadt der Kinder

Das Superabenteuerspiel

von Setsu Kobayashi und Sabine Elias (1998)

Was wäre, wenn es plötzlich keine Erwachsenen mehr gäbe? Kein „Setz dich gerade hin! Lass das! [...] Du bist um neun zu Hause!“ Stattdessen nach Herzenslust im Schwimmbad toben, Plündereien im Einkaufszentrum ... Für den 12-jährigen Ben und seine Freunde scheint diese verlockende Vision Wirklichkeit zu werden. „Verstehst du? Im Computerspiel verschwinden alle Menschen, die älter sind als fünfzehn Jahre. Und genau das ist in unserer Stadt passiert.“

Andreas Schlüter entwirft ein stimmiges Szenario, in dem sich kaum merklich – für die Romanfiguren wie für die Lesenden – der Sprung von der Realität in die virtuelle Welt vollzieht. Rasant überstürzen sich in der „Stadt der Kinder“ die Ereignisse. Die Schule wird zum Hauptquartier ausgebaut, von hier aus ein strategischer Kampf ums Überleben organisiert. Verhandlungen mit dem randalierenden Kolja und seinen Spießgesellen bleiben zunächst ohne Erfolg, bis Ben schließlich die rettende Idee hat: Nur nach den Regeln des Computerspiels können die Gegner überlistet werden. Mit dem Erreichen der vierten Spielebene – dem „Level 4“ – finden die Kinder schließlich den Weg in die Wirklichkeit zurück, ohne dass die Erwachsenen etwas von den Turbulenzen der vergangenen Woche mitbekommen hätten.

Raffiniert gestaltete Spannungsbögen und lebendige Dialoge bestechen in dem 1994 vorgelegten Debütroman, dessen Themen das Leben von Heranwachsenden bestimmen. Mädchen wie Jungen werden hier als verantwortungsbewusste Persönlichkeiten mit eigenen Ideen, Wünschen und Ängsten ernst genommen. Einzelne Motive erinnern an die Großstadtromane Kästners oder Durians aus den 20er Jahren, insbesondere die Größe und die Struktur der Kindergruppe sowie die Verteilung der Aufgaben. Den Computer nutzt der Autor als „eine zeitgemäße Form, diese Vorstellung(en) zu verpacken – und: eine längst überfällige Kampfansage an das Pädagogengeschwätz, Computer würden die Kinder vereinsamen lassen“.

Dem heutigen Journalisten und Schriftsteller merkt man die Nähe zu seiner jugendlichen Leserschaft an: Jahrelang war er als Betreuer von Kinder- und Jugendgruppen tätig und er hat selbst einen 14-jährigen Sohn, der sich über die Bestseller des Vaters persönlich mit ihm austauscht. Den anderen Fans bleibt der Weg über Schlüters Homepage (http://ourworld.compuserve.com/hompages/level4) – Antwort garantiert!

So mailte ihm zum Beispiel der 12-jährige David: „Die Mischung aus Abenteuer, Computer, Zukunft und Liebesgeschichte finde ich echt toll. Ich hoffe, dass du auch in Zukunft so gute Bücher schreibst. Am besten mit Ben, Frank, Miriam und Jennifer.“ Schlüter ist diesem Rat gefolgt: Anfang dieses Jahres ist bereits der fünfte Band der Reihe im Altberliner Verlag erschienen, in der Ben & Co. aufregende Abenteuer in Cyberspace und Internet, mit Computerchips und außerirdischen Flugobjekten bestehen.

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