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Titelbild
O’Brien, Robert C.:
Z wie Zacharias
Aus dem Amerikanischen von Inge M. Artl
München: dtv 2000
(dtv pocket 7819)
(Originalausgabe 1975)
(Erstauflage 1981)
224 S., € 6,50

O’Brien, Robert C.: Z wie Zacharias

Robinsonade der Zukunft

von Sonja Roux (1998)

„Auf der letzten Seite im ,Bibel-Buchstaben-Buch’ stand ,A für Adam’ [...]. Auf der allerletzten Seite stand ,Z für Zacharias’, und da ich damals schon wusste, dass Adam der erste Mensch gewesen war, glaubte ich lange Zeit, Zacharias sei der letzte Mensch.“ Heute jedoch hält die 16-jährige Ann sich selbst für den letzten Menschen. Ein Atomkrieg hat alles Leben dahingerafft. Sie ist die einzige Überlebende in einem Tal, das von der Katastrophe verschont geblieben ist. Dort lebt sie wie ein weiblicher Robinson auf der Farm ihrer Eltern. Ann hat den schmerzlichen Verlust ihrer Familie verdrängt und sich mit ihrer Einsamkeit abgefunden. Ein Jahr nach dem Krieg beginnt sie, Tagebuch zu schreiben, weil etwas Unglaubliches geschieht: Ein menschliches Wesen in einem Strahlenschutzanzug nähert sich dem Tal. Sie notiert: „Ich habe mich geirrt. Ich bin nicht der letzte Mensch auf Erden. Und ich bin freudig erregt und habe gleichzeitig Angst.“

Genau dieses Dilemma macht Robert O’Brien zum Spannungszentrum seines Romans. Zunächst kümmert sich Ann aufopferungsvoll um den erkrankten Mr. Loomis und versucht, ihn näher kennen zu lernen. Aber ihre Versuche scheitern, zu Offenheit und Vertrauen scheint der fremde Mann nicht fähig zu sein. Er will das Leben auf der Farm bestimmen, fängt an, Ann Befehle zu erteilen, wird sogar handgreiflich. Misstrauen und Angst machen sich breit, die Situation eskaliert ...

Durch die Tagebuchform sind die Lesenden auf Anns Sicht der Dinge verwiesen. Sie werden lange in Ungewissheit gelassen, ob Ann richtig beobachtet oder ob sie das Verhalten des Fremden überinterpretiert. Aber die Hoffnung, dass sie sich irren könnte, schwindet, und die Anzeichen mehren sich, dass Mr. Loomis, der durch seine Arbeit in der Strahlenforschung mitverantwortlich für die Zerstörung ist, auch Anns kleine ,heile Welt’ nicht unversehrt lassen wird. Anns Lebenskonzept, dem die Sympathie des Autors und der Leser gilt, gerät in Gefahr. Dies macht die eigentliche Spannung und den Ernst des Romans aus. Er wurde seit 1975 vierzehnmal aufgelegt und hat bis heute nichts an Aktualität verloren.

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