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Schulz-Reiss, Christine:
Was glaubt die Welt?
Die fünf großen Religionen
Illustriert von Werner Tiki Küstenmacher
Bindlach: Loewe 2004
160 S., € 12,90

Schulz-Reiss, Christine (Text) und Werner Tiki Küstenmacher (Illustration): Was glaubt die Welt?

Jesus, das Kuckkucksei

von Patrick Werneburg (2005)

Wer waren Brahma, Buddha, Moses, Jesus und Muhammad? Worauf beruhen die fünf Weltreligionen? Woran glauben ihre Anhänger? Und welchen Unterschied gibt es zwischen Juden, Christen und Muslimen, obwohl sie an einen Gott glauben? Christine Schulz-Reiss ist bemüht, in ihrem Sachbuch „Was glaubt die Welt?“ Antworten auf diese und weitere Fragen zu geben.

In fünf, farblich voneinander abgehobenen Kapiteln widmet sich die Autorin jeweils einer Religion: Hinduismus, Buddhismus, Judentum, Christentum und Islam. In den Ausführungen versucht Schulz-Reiss die Konfessionen in Verbindung zu bringen und so deren Gemeinsamkeiten darzustellen. Die einzelnen Kapitel folgen einem annähernd gleichen, dreiteiligen Schema: Neben ‚handlungsreichen’ geschichtlichen Ereignissen und Mythen wird knapp auf die verschiedenen Dogmen und Lehrsätze der einzelnen Religionen eingegangen. Durch praktische Beispiele soll eine Anbindung der dargestellten Themen an die Lebenswelt des kindlichen Lesers erfolgen.

Einen zentralen Stellenwert nehmen in den Ausführungen der Autorin insbesondere die ‚handlungsreichen’, geschichtlichen Ereignisse und Mythen ein. Beispielsweise wirft die Autorin religiöse Fragen auf und meint, diese dem Leser durch vereinfachte und „metaphorische“ Darstellungen verständlich machen zu können. So bezeichnet sie Jesus als Kuckuckskind und möchte so die Empfängnis Marias durch den Heiligen Geist verdeutlichen.

Abstraktere religiöse Themen wie die verschiedenen Dogmen und Lehrsätze werden hingegen nur knapp und damit oft missverständlich umrissen. So erwähnt die Autorin Unterschiede zwischen dem Abendmahl in der katholischen und in der evangelischen Kirche. Allerdings versäumt sie zu begründen, weshalb das Abendmahl unterschiedlich gefeiert wird und welche Intentionen, Auslegungen und Lehrmeinungen sich dahinter verbergen.

Weiterhin ist dieses Werk gefüllt mit ‚praktischen’ Beispielen – optisch vom Sachtext abgehoben – aus einem möglichen Lebensalltag von Kindern, um so den informativen Aussagen einen aktuellen Bezug zu geben. Dabei geht es beispielsweise um den Umgang mit sozialen Unterschieden in unserer Gesellschaft. Zum Thema Konfliktsituationen etwa beschreibt Schulz-Reiss, wie fast jeder Konflikt zwischen Menschen mit dem angeblichen Jesuszitat: „Wie ich dir, so du mir!“ gelöst werden könnte. Nicht nur, dass hier ein falsches Zitat bemüht wird, ebenso geben die darauf folgenden Handlungsanweisungen dem Buch einen unangebrachten, belehrenden Charakter.

Insgesamt lässt sich ein sehr heterogener Sprachstil feststellen: Neben dem bereits erwähnten pädagogischen Sprachstil stößt man ebenso auf sachliche Erklärungen, z. B. dass das Wort ‚Papst’ vom griechischen Wort ‚pappos’ abgeleitet wird und Vater bedeutet. Des Weiteren greift die Autorin in ihren Beschreibungen und Nacherzählungen religiöser Geschichten zu einer aufgesetzt-kindlichen Sprache.

Der Theologe Werner Tiki Küstenmacher, der dieses Buch illustriert hat, ,unterstützt’ mit seinen Zeichnungen die knappen Aussagen der Autorin. Manche seiner comicähnlichen Bilder sind durch ihre naiv-oberflächliche Darstellungsweise teilweise derart respektlos, dass sich religiöse Leser möglicherweise angegriffen fühlen könnten. Bemerkenswert ist, dass Menschen, Tiere und sogar Gebäude in seinen Zeichnungen immer einen annähernd gleichen Gesichtsausdruck haben.

Das Gehaltvollste an diesem Buch ist die bereits oben erwähnte Suche der Autorin nach Gemeinsamkeiten: gemeinsamen Mythen, verschiedenen religiösen Vorstellungen und Handlungsorientierungen, die eine gemeinsame Grundlage haben.

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