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Wenn Schicksal verbindet...

Von Iklima Aslan, Meltem Barutcu, Kübra Boztas, Patrick Hekkert, Sarah Mühlberger, Marie Fee Remitschka, Buket Saglik

Wieso fotografierst du nie Menschen?“,
fragt Salomon.
Ich zucke mit den Schultern.
„Menschen sind unzuverlässig. Sie kommen und gehen,
wie es ihnen passt.
Besser,
man versucht es gar nicht, sie festzuhalten.

„Bewegend“, „berührend“, „fein“ und „nahbar“ möchte man die von Elisabeth Steinkellner geschriebene Geschichte von Esther und Salomon beschreiben, so sind diese Attribute nur allzu treffend.

Esther und Salomon ist die Geschichte zweier Jugendlicher, die auf ihre ganz eigene Art mit ihren fragilen Familiensituationen umgehen, doch in ihrem Miteinander Reißaus aus ihrem Alltag nehmen. Die Ehe von Esthers Eltern gleicht einem – die Konventionen wahrenden, Tristesse verbreitenden – Schein. Einzig die Beziehung zu ihrer kleinen Schwester Flippa ist geprägt von Innigkeit und Wärme; während Salomon gezeichnet ist vom brutalen Tod seines Vaters sowie der Flucht nach Deutschland. Auch für ihn ist die Nähe zu seiner Schwester Aisha der einzige Lichtblick in seinem grau verschleierten Alltag.
In einem Sommerurlaub schließen die Schwestern der beiden Jugendlichen Freundschaft, wodurch sich auch Esther und Salomon näherkommen und in ihrer Liebe Halt, Glück und einen Kontrast zu ihrem sonst eher bekümmerten Dasein finden. Das belebende Liebesglück der beiden ist aber nicht von Dauer: Esther und Salomon kehren nach dem Urlaub in ihre Leben zurück und dem wohligen Gefühl von Geborgenheit weicht unweigerlich ein tiefer Trennungsschmerz und die Angst, einander zu verlieren, nicht wissend, dass das Schicksal noch weitere Proben für sie bereithalten wird.
Mit Esther und Salomon gibt Elisabeth Steinkellner Einblicke in das Innere zweier vom Leben gezeichneter Jugendlicher, deren Zweisamkeit so anders ist als das, was sie in ihrem Alltag erfahren. Sanft, liebevoll, aber auch persönlich und intim; real, unverklärt und erdend erzählt sie von Liebe, körperlicher Zuneigung, Entdeckungen, aber auch von Angst, Enttäuschungen und einem auf den ersten Blick nicht immer fair spielenden Schicksal.
Die Zeichnungen von Michael Roher sowie die Fotografien der Autorin erzeugen den persönlichen, fast schon intimen Charakter des Buches und geben den Leser*innen die Möglichkeit, die Geschichte der beiden Liebenden ganz nah mit zu erleben und zu fühlen. Die durchgängige, leicht zu lesende Versschreibweise gewährt einen Einblick in die innersten und persönlichsten Gedanken, Wünsche, Hoffnungen und Ängste der Figuren und erweckt das Gefühl, fast schon persönlich bekannt und vertraut mit ihnen zu sein. Die Komposition aus leicht verständlichem Text und ansprechenden Illustrationen macht Esther und Salomon zu einem Lesegenuss für Leserinnen und Leser im Jugend- und Erwachsenenalter und ist ein hervorragendes Beispiel für anspruchsvolle zeitgenössische Jugendliteratur, die durch ihre besondere Gestaltung aus Lyrik und Bildern außergewöhnlich ist.

Bibliographischen Angaben:
Steinkellner, Elisabeth und Roher, Michael
Esther und Salomon
Wien: Tyrolia Verlag 2021
336 Seiten
Jugendbuch ab 14 Jahren