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Nöstlinger, Christine:
Jokel, Jula und Jericho
Illustrationen von Edith Schindler.
Weinheim u. a.: Beltz & Gelberg 2002.
(Erstauflage 1983)
136 S., € 5,90.

Nöstlinger, Christine (Text) und Edith Schindler (llustration): Jokel, Jula und Jericho

Eine Schuhbrüderschaft

von Stephany Dörfler (1996)

Erstaunt starren sich Jokel und Jula an, als sie sich zum ersten Mal begegnen. Es kommt nämlich selten vor, dass sich zwei kleine, dünne achtjährige Kinder mit „fuchsfellrotem Haar“ und Sommersprossen (die in der Sonne auch noch „Kinder kriegen“) so sehr ähneln. Die beiden verstehen sich auf Anhieb und beginnen ihre Freundschaft mit einem Schuhtausch, denn auch das „Fußpech“ haben sie gemeinsam. Jokels linker Fuß ist eine Nummer größer als sein rechter, und bei Jula verhält es sich genau andersherum.

Schon die Beschreibung der Protagonisten hat Witz und zeugt von genauer Beobachtung kindlichen Verhaltens. Die 1936 in Wien geborene Christine Nöstlinger hat schon viele Kinder- und Jugendbücher geschrieben, die bekannt sind für phantasievollen Spaß mit kritischen Aspekten. Dem entspricht auch „Jokel, Jula und Jericho“. Im Vordergrund steht hier die Geschichte einer außergewöhnlichen Freundschaft.

Unmittelbar nach dem Schuhtausch werden Jokel und Jula getrennt. Für Jokel beginnt eine schlimme Zeit, denn Jula fehlt ihm sehr. Seine Suche nach ihr ist erfolglos, und als seine Freunde ihn deswegen auch noch hänseln, fühlt er sich schrecklich allein. Nur der Gedanke an Jula tröstet ihn ein wenig.

Den Bemühungen des „Glatzenopas“, von dem Jula sich den Jokel als Geburtstagsgeschenk wünscht, verdanken es die beiden, dass sie sich wiederfinden. Von nun an lassen sie sich durch nichts mehr trennen, im Gegenteil, sie beschließen, ab jetzt alles zu teilen. Obwohl das Teilen selbst die Familienangehörigen mit einschließt, stoßen weder Jokel noch Jula auf Protest. So erleben sie eine Freundschaft, in der sie großen Spaß haben und viel Neues kennen lernen.

Da ist z. B. die Sache mit Jericho, dem Bernhardinerhund, der sich so sehr verliebt, dass er nichts mehr fressen möchte. Jokel und Jula bleibt keine andere Möglichkeit, als die Angebetete zu entführen, um Jericho wieder gesund zu machen. Oder die Idee mit dem „Zahnrheumatismus“: Den täuscht Jula vor, um nicht in die Schule zu müssen. Jokel unterstützt sie dabei, doch beide stellen fest, dass dieser Einfall ganz schöne Probleme mit sich bringt.

Christine Nöstlingers Erzählung ist leicht zu lesen. Viele seitengroße Schwarz-Weiß-Zeichnungen lockern den Text auf. So werden Leseanfänger und –anfängerinnen mit „Jokel, Jula und Jericho“ bestimmt viel Spaß haben.

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