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Gsponer, Alain (Regie): Heidi
Der Ruf des Adlers.
Alain Gsponer lässt Heidi in einem neuen Glanz erscheinen
von Julia Dreseler, Janina Fischer und Ramona Winkelmann (2017)


Wer kennt es nicht, das kleine, lebensbejahende, mutige Waisenmädchen Heidi, dessen Geschichte immer wieder neu und anders erzählt wird?! – Alain Gsponer legt mit seiner prominent besetzen Adaption aus dem Jahr 2015 eine gefällige und zeitgemäße Version dieses ‚Schweizer Mythos‘ vor (es ist die insgesamt elfte Verfilmung des Klassikers von Johanna Spyri seit 1952).

Zunächst fällt auf, dass in Gsponers Adaption keine zeitliche Anpassung vorgenommen wird, er die Geschichte also weiterhin im 19. Jahrhundert verortet, was Konsequenzen nicht nur für die Figurendarstellung hat, sondern auch für das Rezeptionsverhalten der Zuschauer*innen zwischen Nähe und Distanz. Getragen wird diese Literaturverfilmung, die zugleich Natur- und (in einem empathischen Sinn) Heimatfilm ist, durch ein Ensemble hochkarätiger Schauspieler*innen: Während Bruno Ganz mit seiner ganzen Erfahrung sehr beeindruckend den mürrischen und gleichzeitig liebevollen Almöhi verkörpert, sind es für die beiden ebenfalls überzeugenden Kinderdarsteller*innen Anuk Steffen und Quirin Agrippi die ersten Filmrollen ihres Lebens.

Der eigentliche ‚Star‘ des Films ist allerdings die Natur: Schon die ersten Szenen des Films zeichnen eine ruhige, friedvolle Landschaft. Es wird ein stolzer und prächtiger Adler gezeigt, der mit einem Blick die beinahe unberührte Alpenlandschaft überschauen kann. Dieser Adler ist Symbol der Freiheit, und der Liebe zur Natur. Er rahmt die Geschichte, begleitet Heidi nicht nur in den Alpen, sondern auch in Form einer Holzfigur während ihres Aufenthalts bei Familie Sesemann in Frankfurt. Er verleiht Heidi Kraft, um die schwierige Zeit ohne ihren Großvater und ohne die Berge zu überstehen. Diese Symbolik erweitert sich noch, als Heidi die Schnitzfigur ihres Großvaters an Clara verschenkt und so in Frankfurt auch nach ihrer Abreise ‚präsent‘ bleibt. Zu bemängeln ist aber, dass darüber hinaus oft nur die Oberfläche einer Geschichte erzählt wird, die bei Johanna Spyri noch gesättigt war von einer – wie auch immer zu bewertenden – religiös-moralischen Tiefenschicht. Insgesamt gelingt Gsponer und seinem Team mit seiner Heidi-Adaption aber ein souverän inszenierter, von guten und sehr guten Schauspieler*innen getragener Familienfilm, der für Kinder ab 6 Jahren empfehlenswert ist und der durch seine beeindruckenden Landschaftsaufnahmen auch Erwachsene noch in seinen Bann ziehen kann.