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„Lesensretter“ oder Wer lesen kann, ist meistens klar im Vorteil!

von Johanna Brück, Lilly Hemfort, Johannes Hohnholz, Greta Kießlich, Alina Konrads und Noah Meeder (2026)

Der 2023 verstorbene Kinderbuchautor, Lyriker und Journalist Andreas Greve war für seinen humorvollen und lebensnahen Erzählstik bekannt. In (posthumer) Zusammenarbeit mit der Illustratorin Lena Winkel, die für ihre reflexive Illustrationskunst bereits mehrfach ausgezeichnet wurde, entsteht in Lass das Lesen, Leo! eine kreativ-komische Geschichte über Freundschaft und Lesenlernen.

Der Ausgangspunkt dieser Geschichte ist ein namenloser, erwachsener Ich-Erzähler, der mit freudigem Stolz von seinem neuen Hund Leo berichtet. Durch Leo, so der Erzähler, erlebe er die Welt auf langen Spaziergängen mit neuen Augen. Dieser schon bald routinierte Tagesablauf nimmt eine überraschende Wendung, als Leo die Lust erfasst, die vertraute Welt ebenfalls ‚mit neuen Augen‘ zu erfahren – sprich: lesen zu lernen! Was mit dem einfachen Entziffern einer (für Kinder) essenziellen Botschaft – einem „Eis“-Schild – beginnt, steigert sich zu einem obsessiven Lesehunger. Keine Buchstabenfolge bleibt mehr unbeachtet und ‚normale‘ Spaziergänge erscheinen unmöglich: Willkommen in einer Lesesucht-Debatte zwischen Hund und Herrchen! Denn auch, wenn er Leos Wunsch zu lesen anfänglich unterstützte, wünscht sich jetzt nichts mehr, als einen ‚normalen‘ Hund zu haben, der ohne Verzögerungen mit ihm spazieren geht. 

In dem comicartigen Bilderbuch Lass das Lesen, Leo! wird eine ebenso einfache wie wirkungsvolle Geschichte erzählt, die sich durch eine klare Struktur und (Bild-)Sprache auszeichnet, aber auch subtile Kontrapunkte setzt. Dabei wirft Leos ungewöhnliche Fähigkeit Fragen auf, die zum Weiter- und Selberlesen motivieren. Der verbale und der Bild-Text sind leicht zugänglich und ermöglichten auch Leseanfänger*innen einen unkomplizierten Einstieg, zumal  im Zentrum der Geschichte ein Hund steht, mit dem sich Kinder leicht identifizieren können, weil er im doppelten Wortsinn sympathisch gezeichnet ist und Parallelen zum eigenen Leselernprozess aufweist. Der leicht parodistische Unterton, den die wuseligen, cartoonartigen Zeichnungen Lena Winkels unterstreichen und verstärken, und das zwischenzeitlich vom Herrchen verhängte Leseverbot, das am Ende konterkariert wird, laden auch Erwachsene zum Mitschmunzeln ein. – Wir empfehlen Lass das Lesen, Leo! für Leseratten (und -Hunde) und für solche, die es noch werden wollen!

 

Bibliographische Angaben

Greve, Andreas und Winkel, Lena (Illustrationen)
Lass das Lesen, Leo!
Hamburg: Kibitz Verlag, 2026
72 Seiten
Kinderbuch ab 6 Jahren

Leseprobe